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Die Zukunft des Lernens: E-Learning im Aufwind

Mittwoch, 10. Dezember 2014, 11:06 Uhr
Digitales Lernen erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Auch in Deutschland, das lange Zeit eher verhalten auf den neuen Trend reagierte, scheint der Knoten geplatzt: Die E-Learning-Branche verzeichnet mittlerweile Wachstumsraten im zweistelligen Bereich und erreicht einen Jahresumsatz von rund 582 Million Euro. Auch der Stellenmarkt wächst entsprechend rasant, die rund 250 Deutschen E-Learning-Anbieter beschäftigen rund 8.500 Mitarbeiter, in den Stellenportalen wächst die Nachfrage nach entsprechendem Fachpersonal. Kein Wunder, denn der junge Wachstumsmarkt hat das Potential.

Spielerisch mehr wissen


Ein Grund für den Erfolg: Gute E-Learning-Angebote digitalisieren nicht einfach die analogen Stoffe, sondern bereiten sie ganz neu auf. Die digitalen Medien ermöglichen es, mit neuen Verfahren zu experimentieren, wie wir schneller, einfacher und vor allem motivierter lernen können.

Einer der wichtigsten Trends im E-Learning ist daher die Gamification oder Gamifizierung. Wissen soll nicht mehr stumpf gebüffelt, sondern spielerisch erlernt werden und Spaß machen. Dafür werden Elemente aus Computerspielen auf das Lernen übertragen: Die süchtig machende Magie von Games, die Spieler stundenlang hoch motiviert an den Bildschirm fesseln, soll für das Lernen genutzt werden. Studien zeigen zum Beispiel, dass es beim Lernen genauso wie beim Spielen ein sehr hoher Motivationsfaktor ist, wenn man deutlich sichtbare Fortschritte erzielen kann, für die man belohnt wird. Fortschrittsbalken, Erfahrungspunkte und Ranglisten gehören daher zu den typischen Game-Elementen in E-Learning-Angeboten. Dennoch kann man es auch übertreiben: Momentan setzen so viele auf den Gamification-Trend, dass die Gefahr besteht, dass alles mit Game-Elementen überladen wird, wo sie keinen Sinn machen.

Lernerfolg durch Storytelling


Einer weiterer prägender Trend im E-Learning ist das Vermitteln von Wissen mithilfe von Geschichten, was in Fachkreisen Storytelling genannt wird. Eingebunden in eine spannende Story steigt nicht nur die Motivation, sich über längeren Zeitraum mit neuen Lerninhalten zu beschäftigen - gerade Erwachsene benötigen zudem eine gewisse Relevanz, um neue Informationen dauerhaft im Langzeitgedächtnis zu speichern. Ohne jeden Kontext oder konkreten Bezug zum eigenen Leben werden neue Inhalte oft schnell wieder vergessen, weil ihnen der Zusammenhang fehlt. Die Informationen in eine einfache Geschichte zu verpacken, ist ein altbekannter Kniff von Gedächtniskünstlern, um diese Schwierigkeiten zu umgehen. Das geläufigste Beispiel dafür sind Eselsbrücken, die einen einfachen Merksatz bilden, den jeder einfach im Kopf behält (zum Beispiel „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel“, um sich die Reihenfolge der Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun im Sonnensystem zu merken).

Studien bestätigen, dass das menschliche Gehirn seine Aktivität erhöht und Aufmerksamkeit fokussiert, wenn wir einer Geschichte folgen. Im E-Learning können diese Vorteile ausgenutzt und mit Grafiken, Sounds und Videos unterstützt werden, um das Lernen leichter und unterhaltsamer zu machen.

Digitale Revolution in der Schule


Die jüngste Entwicklung und das nächste große Ding ist das sogenannte Mobile Learning (kurz M-Learning). Mit mobilen Technologien wie Smartphones und Tablets kann jederzeit und überall auf Wissen zugegriffen und gelernt werden. Dem individuellen Wissensdrang sind keine Grenzen mehr gesetzt. Ganze Forschungsgruppen untersuchen derzeit fieberhaft, wie die neuen Technologien das Lernen verändern, und was das für Bildungseinrichtungen wie Schulen bedeutet. Denn obwohl fast die Hälfte aller Deutschen mittlerweile ein Tablet oder Smartphone, schleppen die Schüler pünktlich zum Schulstart immer noch ihre dicken Schulbücher mit in den Unterricht. Die Diskussion um ein technologisches Update der Schulen ist aktueller denn je, denn die digitale Revolution stellt das Bildungssystem nicht nur vor eine finanzielle Herausforderung. Die größte Herausforderung ist die Frage, wie die unübersehbaren Vorteile der neuen Technologien in das bestehende Bildungssystem integriert werden können – oder ob nicht das Bildungssystem, wie wir es heute kennen, am Ende ausgesorgt hat und von Grund auf neu gedacht werden muss. In Zeiten von mobilen Technologien und sozialen Medien wird es jedenfalls immer schwieriger, Jugendliche für den alten Frontalunterricht zu begeistern, der in vielen Schulen immer noch die Norm ist. Wer da gegen das Internet wettert, das angeblich die Konzentrationsfähigkeit der Jugend ruiniere und sie verdummen lasse, unterschätzt die gewaltigen Chancen der digitalen Medien für das Lernen. Es wird nur einfach anders aussehen, als wird es bisher gewohnt sind.

Dieser Artikel wurde eingeordnet unter: Allgemein, e-learning, elearning und gamification

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